Detroit damals

Detroit damals

Detroit ist eine spannende Stadt. Eine Stadt voller Ecken und Kanten, voller Widersprüche. Es ist eine Stadt mit einer beeindruckenden Geschichte. Sinnbild für den wirtschaftlichen Aufschwung der Autoindustrie Amerikas. Und gleichzeitig Sinnbild für wirtschaftlichen Verfall einer einstigen Metropole mit all seinen Begleiterscheinungen wie Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität.

Auch wenn es bestimmt reizvoll wäre, möchte ich hier nicht über die Geschichte dieser Stadt schreiben. Anlass für diesen Blogeintrag ist meine Reise nach Detroit diesen Februar. Es war auch eine Reise zurück in meine Vergangenheit.

Als ich 13 Jahre alt war, war ich zum ersten Mal in Detroit Downtown. Ich weiß noch, ich fühlte mich damals nicht so richtig behaglich. Ich empfand die Stadt als spooky. Auf den großen Plätzen waren nur wenige Leute. Ich hatte das Gefühl, dass man mir ansah, dass ich Tourist bin. Ich fühlte mich als würde ich auffallen (mit 13 ist das ja noch viel weniger prickelnd als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt im Leben). Ich fühlte mich beäugt. Und ich wusste, dass die Kriminalitätsrate in Detroit hoch war. Das führte dazu, dass ich nicht besonders in den Explorer-Modus geschwenkt bin, und wich meinen Eltern nicht von der Seite.

Ich erinnere mich an nicht viel. Aber an einiges erinnere ich mich noch. Wir sind mit dem Peoplemover gefahren. Übersetzt heißt Peoplemover Leutebeweger. Ich weiß noch, das hat mich schon damals amüsiert. Na auf jeden Fall ist der Detroit Peoplemover ein 4,7 Km langes, einspuriges Hochbahnsystem, das den Kern der Innenstadt umkreist. Und ich weiß noch, ich war tief beeindruckt von einem Gebäude. Es war ein (für meine Vorstellungen damals) riesiges, gemauertes Hochhaus. Es hatte ewig viele Stockwerke. Und es hatte diese für Amerika so typischen Feuerleitern an der Außenfassade. Aber das krasse: Es stand komplett leer. Mitten im Zentrum einer Stadt stand ein so dermaßen riesiges Gebäude einfach leer. Und es sah auch nicht so aus als würde mit diesem riesigen Gebäude über kurz oder lang etwas passieren.

Mit dem Peoplemover fuhren wir so nah an dem Gebäude vorbei, dass ich durch die Fenster noch die verfallene Inneneinrichtung der Büros erkennen konnte. Das hat mich nachhaltig beeindruckt und bis heute ziehen mich verlassene Gebäude magisch an.

Ich weiß nicht, ob ihr euch auch an so Momente aus der Kindheit erinnert. Als Kind hat man ja mit der Planung von Ausflügen eher wenig zu tun. Vor allem dann, wenn man eh keine Ahnung hat, was es dort, wo man hingeht, so zu tun gibt. Und dann findet man sich an Schauplätzen oder in Situationen wieder, mit denen man nicht gerechnet hat und auf die man nicht vorbereitet ist. So unbedarft und naiv und unvoreingenommen. Wie cool eigentlich so einfach in den Tag hinein zu leben.

Jedenfalls saß ich da in diesem Peoplemover, ließ Eindrücke auf mich einrieseln und stellte mir die Frage, wie es sein konnte, dass so viel Raum einfach nicht genutzt wird. Und je mehr ich von der Stadt sah, desto mehr fiel mir auf, wie viele Gebäude da eigentlich leer standen. Normale Wohnhäuser – völlig verfallen. Mit eingestürzten Dächern und eingeschlagenen Fensterscheiben. Mit verwilderten Vorgärten. Aber die Häuser sahen so filmreif aus. So edgy, so besonders. Ich sah verbarrikadierte Liquor-Stores mit Brettern vor die Fenster genagelt. Mit Graffitis verziert oder beschmiert. Die Rollos der Eingänge runtergelassen und vergittert.

Ich weiß noch, dass meine Anspannung nach ließ, als wir wieder im Auto saßen. Ich fühlte mich distanzierter und nicht mehr so stark Teil dieser krassen Szenerie. Ich war froh, diese Stadt mit noch mehr Abstand betrachten zu können.

Ziemlich genau 20 Jahre später (meine Güte, bin ich alt geworden) war ich noch einmal in der Nähe von Detroit Downtown. Und obwohl es eigentlich nicht Plan meiner Reise war, ließ mich der Gedanke nicht los, mir den Kern dieser Stadt noch einmal anzuschauen. Aber diesmal nicht die Orte, die die meisten Touristen besuchen. Ich wollte in den verfallenen Teil der Stadt. Ich wollte in die verlassenen Gebäude rein. Und ich kann euch sagen – es war ein einmaliges Abenteuer!

Was mir da so alles begegnet ist, verrate ich in meinem nächsten Blogeintrag. Ich freu mich auf euch!

Elli Böttcher
elli@elliboettcher.de
2 Kommentare
  • Anita
    Geschrieben um 14:46h, 24 März Antworten

    Das ist ja spannend, freue mich darauf, was Du uns weiter erzählst über die verlassenen Gebäude

    • Elli Böttcher
      Geschrieben um 19:24h, 27 März Antworten

      Danke, liebe Anita, für dein Feedback! Ich finde die Kugelkunst-Bilder auch einfach nur herrlich. So bunt und ein bisschen wild. Freut mich sehr, dass sie dir gefallen!

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